Beobachtungstipps für den Januar für das Naturschutzgebiet

Twedter Feld

 

 

Was kann im Januar, dem oft kältesten Monat des Jahres, den Naturfreund motivieren die warme Stube zu verlassen und in der Natur - zum Beispiel also im Twedter Feld Beobachtungen anzustellen?

Interessant sind auf jeden Fall die Schlafgemeinschaften von Dohlen und Saatkrähen, die hier im Winter oft anzutreffen sind. Allerdings neigen Dohlen dazu morgens bei größerer Helligkeit abzufliegen als sie dann abends noch herrscht, wenn sie wieder in die Schlafbäume einfallen. Wenn man also noch die Vögel einigermaßen erkennen will muss man also auch noch früh aufstehen. Die Dohlen beginnen ihre Aktivität im Winter meistens zur Zeit der so genannten Bürgerlichen Dämmerung. Zum Frühling und Sommer hin dann bei höherem Sonnenstand. Wahrscheinlich müssen sie die kurzen Wintertage zum Nahrungserwerb besonders gründlich nutzen.

 

 

Die Zahl der im Waldteil des Naturschutzgebiets übernachtenden Tiere schwankt stark. Aber es gab schon Jahre in denen es viele tausend waren. Meistens bilden Dohlen Schlafgemeinschaften von einigen hundert Vögeln. Obwohl auch schon solche von 25 000 Dohlen beobachtet wurden. Im Twedter Feld müsste man gegebenenfalls Dohlen, Saat- und manchmal auch Rabenkrähen getrennt zählen, was im Januar eher nur morgens klappen dürfte.

Aber auch wenn man keine Zählungen anstellen möchte ist der morgendliche Abflug, wobei sich die Tiere lautstark ermuntern zu scheinen und der abendliche Einflug, mit der lautstarken Begrüßung der Neuankömmlinge, oft sehenswert.

Auch ein weiterer Rabenvogel der Kolkrabe, ist im Twedter Feld häufig anzutreffen und könnte zu einem Januarspaziergang motivieren. Kolkrabenbrutpaare beginnen meist im Januar und Februar mit der Balz.

 

 

Ebenso wenig wie man allerdings bei jedem Besuch des Twedter Felds auf Kolkraben stoßen wird, kann man bei jedem Aufenthalt dort mit dem Anblick des Kernbeißers rechnen, auch wenn der Vogel im Winter im Gebiet sich aufhält und auch schon manchmal im Januar zu singen beginnt. Der Kernbeißer hinterlässt allerdings Spuren, die man gerade im Winter meistens finden kann. Das untere Bild zeigt in der typischen Kernbeißermanier sauber halbierte Mirabellenkerne, die ich allerdings entlang eines Wegs im Twedter Feld etwas zusammengesucht habe.

 

Im nächsten Bild finden sich genau  in dieser Anordnung aufgefundene vom Kernbeißer halbierte Vogelkirschenkerne.

   

  

 

Wenn man zueinander passende Hälften direkt nebeneinander findet hat der Kernbeißer am Boden gesessen und dort mit seinem massigen Schnabel unter Anwendung eines Drucks von bis zu 72 kg die Kerne geknackt. Wenn man sie so wie die weiter oben gezeigten Kernhälften verstreut findet, hat er im Baum gesessen, das Fruchtfleisch abgeschält und weggeworfen, den Kern geknackt und den Samen gefressen, welche einem als Mensch wahrscheinlich nicht gut bekommen würde. Kernbeißer sind aus menschlicher Perspektive schon sehr fremdartige Lebewesen. Junge Kernbeißer kriegen das Kernbeißen im Herbst noch nicht so recht hin. Die Bezeichnung „alter Knacker“, wäre wahrscheinlich unter Kernbeißern keinesfalls ehrenrührig.

Wenn andere Tier, die Rötelmaus zum Beispiel, sich an Kirschkernen versuchen, sieht das Endergebnis anders aus, wie es das folgende Bild zeigt

 

 

Der Januar ist also ein Spurenmonat. Viele Tiere verstecken sich jetzt und vor allem an Hand von Spuren und Fährten kann man Tierbeobachtungen anstellen. Wenn man zu diesem Zwecke als Anfänger auf diesem Gebiet zu einem der vielen Spurenbücher greift ist man oft etwas frustriert, weil lauter perfekte Spurenabbildungen sich finden, wie man sie dann in der Natur nicht sieht. Hier nun einige etwas weniger perfekte

Die obere Abbildung zeigt eine Rehspur. Man ist also nicht auf Schnee angewiesen, wenn man diese finden will. Das Trittsiegel des Rehs bekommt seine besondere Form durch die schmale und spitze Form der Schalen des Rehs (im unteren Bild der Fuß eines Rehs aus dem Twedter Feld).

Auch Damwild ist oft im Twedter Feld zu beobachten und hinterlässt Spuren. Während das Trittsiegel des Rehs etwa 4,5 cm lang ist, kann der Abdruck eines Damhirsches bis 8 cm messen. Der Abdruck des Ballens ist anders als beim Reh oft deutlich ausgeprägt. Die folgende Spur im Schnee habe ich Damwild zugeordnet, möchte aber lieber keine Garantie dafür übernehmen.

 

 

Bei der nächsten Spur war die Zuordnung schon einfacher, da sie von einem Baum herunterkam.

Hier dürfte ein Eichhörnchen sich über den Schnee bewegt haben, an anderen Säugetieren auf Bäumen gibt es im Twedter Feld nur noch Marder und Katzen (nehme ich an), diese haben nicht wie hier vom Eichhörnchen zu sehen unterschiedlich große Vorder- und Hinterfüße (die kleineren Vorderfüße sind im Bild unten).

Bei dem nachfolgenden Bild konnte ich sogar beobachten, wie die Spur entstand:

 

 

Ein Buchfink hüpfte zunächst am Rand eines kleinen Tümpels im Twedter Feld herum und dann auf das von dünnem Schnee bedeckte Eis heraus auf der Suche nach Erlensamen.

Andere Spuren im Schnee lassen leicht darauf zurück schließen, was geschah. Hier zum Beispiel ist ein Vogel im Schnee gelandet, vielleicht um die Brombeerranke zu inspizieren und ist dann gleich wieder – wie die Abflugmarken vor den Flügelabdrücken zeigen – weitergeflogen

 

 

Bei Schnee und auch bei Raureif merkt man auch erst, wie viel Mäuse im Twedter Feld vorkommen. Vor den Eingängen zu ihren Höhlen kann ihr gefrorener Atem Eisvorhänge bilden.

Üppige Eisbildung kann man im Twedter Feld auch häufig finden, wenn kein Schnee liegt und die Temperaturen sich allenfalls knapp über dem Gefrierpunkt bewegen. Es handelt sich um das so genannte Haareis.

 

 

Es wächst nicht aus dem Boden hervor, sondern kommt aus Buchen- oder Eichenästen heraus. Die Haare können bis 10 cm lang werden und wirken oft wie gescheitelt. Hinsichtlich der Entstehung wird dem Pilz Exidiopsis effusa (Rosa getönte Wachskruste) im Holz eine Rolle zugemessen. Wohl weil es im Twedter Feld viel Totholz und auch diesen Pilz gibt, ist dieses Phänomen, von dem man auch manchmal liest, dass es selten sei, dort oft zu beobachten.

Copyright (Bilder und Text) Rainer Niss

 

 

Die NABU Gruppe Flensburg betreut die Naturschutzgebiete Holnis und Twedter Feld

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